Der Jahreszeitentisch in der Waldorfpädagogik
Ein Jahreszeitentisch ist ein fester Platz im Zuhause oder im Kindergarten, der mit der Jahreszeit umgestaltet wird. Darauf liegen ein farbiges Tuch, gesammeltes Naturmaterial und einige Figuren. Zusammen zeigen sie, was draußen gerade passiert. Die Idee stammt aus der Waldorfpädagogik, dort heißt der Platz auch Naturtisch. Ein Tisch muss es übrigens nicht sein. Eine Fensterbank, ein Regalbrett oder ein freies Stück Kommode funktioniert genauso.
Der Unterschied zu normaler Deko liegt im Wechsel. Ein Regal mit Herbstdeko steht von September bis November unverändert da. Ein Jahreszeitentisch verändert sich in derselben Zeit dreimal, und jedes Mal versteht das Kind, warum. Im September liegen Äpfel darauf, im Oktober Kastanien, im November steht eine Laterne da. Alle drei Sachen hat das Kind vorher draußen gesehen.

Ich bin Katja Unterberg. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Wollfilz und nähe die Figuren in diesem Shop selbst, in meiner Werkstatt in Breckerfeld. Was auf dieser Seite steht, kommt von meinem eigenen Tisch zuhause und aus dem Austausch mit Kindergärten, die meine Blumenkinder einsetzen.
Die vier Jahreszeiten im Überblick
| Jahreszeit | Monate | Tuchfarben | Feste | Figuren |
|---|---|---|---|---|
| Frühling | März bis Mai | Braun, Hellgrün, Gelb, Rosa | Ostern, Maibaum, Pfingsten | 72 |
| Sommer | Juni bis August | Sattgrün, Rot, Gold | Johanni, Kräuterweihe, Einschulung | 102 |
| Herbst | September bis November | Ocker, Orange, Dunkelrot | Erntedank, Sankt Martin | 70 |
| Winter | Dezember bis Februar | Dunkelrot, Weiß, Silber | Advent, Weihnachten, Lichtmess | 66 |
Jede Jahreszeit hat ihre eigene Seite mit den drei Monaten im Detail. Hier steht nur, wie sich die Saison als Ganzes verhält.
Frühling, März bis Mai
Der Frühlingstisch wächst. Im März stehen zwei Figuren auf braunem Tuch, im Mai sechs auf Maigrün. Wer gleich im März alles aufbaut, nimmt der Jahreszeit ihre Steigerung. Mehr dazu unter Jahreszeitentisch Frühling.
Sommer, Juni bis August
Der Sommer ist die einzige Saison ohne Bruch. Ein Tuch kann drei Monate liegen bleiben, getauscht wird vor allem, was die Kinder von draußen mitbringen. Mehr dazu unter Jahreszeitentisch Sommer.
Herbst, September bis November
Der Herbsttisch lebt vom Abschied. Drei Umbauten, von Ocker über Orange zu Dunkelrot, dazwischen Erntedank und Sankt Martin am 11. November. Mehr dazu unter Jahreszeitentisch Herbst.
Winter, Dezember bis Februar
Der Wintertisch zerfällt in drei sehr verschiedene Teile. Der Dezember ist voll und warm, der Januar fast leer, der Februar bringt das erste Grün zurück. Die Leere im Januar ist der stärkste Moment im ganzen Jahr. Mehr dazu unter Jahreszeitentisch Winter.
Womit fange ich an?
Für den Anfang reichen drei Dinge. Ein einfarbiges Tuch als Unterlage, etwas vom letzten Spaziergang und eine einzelne Figur. Mehr macht den Tisch am Anfang nur unruhig.
Tücher aus Wolle oder Seide führe ich selbst nicht, die gibt es im Waldorf-Fachhandel. Ein Baumwolltuch aus dem Stoffladen tut es für den Start genauso, wichtig ist nur, dass es einfarbig ist. Beim Naturmaterial schlägt alles, was das Kind selbst mitbringt, jede gekaufte Deko. Kastanien, ein Stein, eine Feder. Diese Schicht kostet nichts und ist die, an der Kinder hängen.
Die Figur ist die einzige Anschaffung, über die es sich nachzudenken lohnt. Sie bleibt Jahr für Jahr, wird jede Saison neu kombiniert und geht irgendwann an die nächsten Kinder weiter. Bei mir fangen Figuren bei 12 Euro an.

Wie oft baue ich um?
Eine feste Regel gibt es nicht. In den meisten Familien und Kindergärten passiert es alle zwei bis vier Wochen, meist an einem Fest entlang. Ostern, Sankt Martin, Weihnachten, Lichtmess. Wichtiger als der Rhythmus ist, dass das Kind dabei ist. Ein schlichter Tisch, den ihr gemeinsam umbaut, wirkt mehr als ein aufwendiger, den keiner anfassen darf.
Wenn du einen einfacheren Anhaltspunkt brauchst: bau um, sobald sich draußen etwas sichtbar geändert hat. Der erste Krokus, der erste Heuschnitt, das erste bunte Laub, der erste Frost. Das sind vier klare Signale im Jahr, dazwischen reichen kleine Wechsel.
Woher kommt der Jahreszeitentisch?
Der Jahreszeitentisch gehört zur Waldorfpädagogik. Die erste Waldorfschule öffnete am 7. September 1919 in Stuttgart, gegründet von Emil Molt für die Kinder seiner Zigarettenfabrik und pädagogisch begleitet von Rudolf Steiner. In Waldorfkindergärten steht der Tisch bis heute in fast jedem Gruppenraum, häufig unter dem Namen Naturtisch.
Die Vereinigung der Waldorfkindergärten schreibt dazu auf der eigenen Seite einen bemerkenswert kritischen Satz. Der Tisch soll kein Altar werden, den Kinder nur anschauen dürfen, und wer bloß Bildvorlagen von anderen nachbaut, landet bei dem, was dort Waldorfkitsch heißt. Der Einwand ist berechtigt, und er gilt für meine Figuren genauso. Sie sind Material, keine Vorschrift.
Jahreszeitentisch oder Montessori-Ablage?
Beide arbeiten mit Naturmaterial, verfolgen aber verschiedene Ziele. Der Jahreszeitentisch aus der Waldorfpädagogik ist ein Bild zum Betrachten, oft bewusst außerhalb der Reichweite kleiner Hände aufgebaut. Eine Montessori-Ablage ist zum Greifen, Sortieren und Selbermachen gedacht.
In der Praxis kombinieren viele Familien beides. Der Tisch zum Anschauen oben, daneben ein flaches Körbchen mit Kastanien und Steinen, in das jedes Kind greifen darf. Damit ist die Frage, ob man anfassen darf, vom Tisch genommen.
Häufige Fragen zum Jahreszeitentisch
Ab welchem Alter lohnt sich ein Jahreszeitentisch?
Ab etwa zwei Jahren, zunächst zum gemeinsamen Anschauen. Mit dem Kindergartenalter kippt es. Dann will das Kind mitgestalten, bringt eigenes Sammelgut mit und hat eigene Vorstellungen davon, wo was hingehört.
Was ist der Unterschied zwischen Jahreszeitentisch und Naturtisch?
Keiner, es sind zwei Namen für dieselbe Sache. Naturtisch ist der schlichtere Begriff und wird vor allem dann benutzt, wenn der Waldorf-Bezug keine Rolle spielen soll. In Kindergärten hört man beides nebeneinander.
Muss es wirklich ein Tisch sein?
Nein. Eine Fensterbank, ein Regalbrett oder ein freies Stück Kommode reicht völlig. Wichtig ist nur, dass der Platz auf Augenhöhe des Kindes liegt und dass ihr im Alltag daran vorbeikommt. Ein schöner Tisch im Gästezimmer bringt nichts.
Was kostet ein Jahreszeitentisch?
Nach unten fast nichts, nach oben offen. Tuch und Naturmaterial kosten zusammen unter zehn Euro, wenn das Tuch aus dem Stoffladen kommt. Bei den Figuren geht es in meinem Shop bei 12 Euro los, die meisten Einzelfiguren liegen zwischen 25 und 65 Euro, mehrteilige Szenen wie die Heilige Familie bei 100 Euro.
Der Abstand zu Massenware erklärt sich über die Arbeit. Ich nähe jede Figur einzeln von Hand und erst nach deiner Bestellung, aus 100 Prozent Wollfilz mit Füllung aus reiner Schafwolle. Wer einmal im Jahr eine Figur dazukauft, hat nach fünf Jahren einen Tisch, der durch alle vier Jahreszeiten trägt.
Braucht man Figuren, oder reicht Naturmaterial?
Für den Einstieg reicht Naturmaterial völlig. Zweige, Steine, Blätter, ein Glas mit Zwiebeln, das über Wochen sichtbar treibt. Figuren kommen dazu, wenn der Tisch eine Geschichte bekommen soll. Sie sind wiedererkennbar, und ein Kind begrüßt im Februar dasselbe Schneeglöckchen wie im Jahr davor.
Wo finde ich passende Figuren?
In meinem Shop stehen 308 Blumenkinder aus Wollfilz, sortiert nach der Jahreszeit, in der die jeweilige Pflanze wirklich blüht. Das Maiglöckchen liegt im Mai, die Christrose im Dezember, das Schneeglöckchen im Februar. Dazu kommen 1.228 Postkarten mit denselben Motiven, Kartenhalter aus Holz und wechselbare Motive für die Magische Lampe.
Alles für den Jahreszeitentisch
Alle Figuren auf einen Blick stehen unter Alle Blumenkinder, die Karten zum Aufstellen unter Alle Postkarten. Wie ich arbeite, steht auf meiner Über mich-Seite.
Zuletzt aktualisiert am 27.08.2026 von Katja Unterberg