Jahreszeitentisch Winter gestalten
Der Winter-Jahreszeitentisch teilt sich in drei sehr verschiedene Abschnitte. Der Dezember ist voll und warm, der Januar leer und weiß, der Februar bringt das erste Grün zurück. Die meisten Familien bauen im Advent auf und lassen den Tisch bis Lichtmess am 2. Februar stehen, mit zwei Umbauten dazwischen. Farblich geht es von Rot und Gold über Weiß und Silber zu einem ersten zarten Grün. Wer nur einmal umbaut, verpasst den spannendsten Teil, nämlich die Leere im Januar. Ein fast leerer Tisch mit weißem Tuch, einem Kristall und einer Kerze wirkt auf Kinder stärker als jede volle Szene.

Ich bin Katja Unterberg. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Wollfilz und nähe die Figuren, die auf dieser Seite zu sehen sind, selbst in meiner Werkstatt in Breckerfeld. Was hier steht, kommt von meinem eigenen Tisch zuhause und aus dem Austausch mit Kindergärten, die meine Blumenkinder einsetzen.
Farben, Material und Feste im Überblick
| Monat | Tuchfarben | Material | Feste |
|---|---|---|---|
| Dezember | Dunkelrot, Tannengrün, Gold | Tannenzweige, Zapfen, Moos, Äpfel, Nüsse | Advent, Nikolaus am 6., Santa Lucia am 13., Weihnachten |
| Januar | Weiß, Silber, Eisblau | Kristalle, kahle Zweige, Wolle als Schnee | Heilige Drei Könige am 6. |
| Februar | Weiß mit erstem Hellgrün | Zwiebeln im Glas, Weidenkätzchen, Moos | Lichtmess am 2., Fasching |
Wer ist König Winter?
König Winter ist die Hauptfigur des winterlichen Jahreszeitentischs. Er steht für die Kraft, die die Natur in den Schlaf schickt, und dargestellt wird er als alter Mann mit weißem Bart, Krone und Zepter, meist in Grau, Weiß und Silber. In vielen Waldorfkindergärten kommt er erst nach Weihnachten auf den Tisch, wenn die Krippe abgeräumt ist und der Januar seine eigene Stimmung bekommt.
Mein König Winter trägt eine Silberkrone, einen Kristallzepter und ein weißes Cape. Er ist die einzige Figur, die auf dem Wintertisch groß sein darf, alle anderen ordnen sich ihm unter. Sein Gegenstück ist Frau Holle, zuständig für den Schnee. Beide zusammen erzählen den Winter vollständig, die Kälte und das, was sie mitbringt.
Was gehört im Dezember auf den Jahreszeitentisch?
Der Dezember ist der einzige Monat im Jahr, in dem der Tisch voll sein darf. Er füllt sich nach und nach, Woche für Woche, und genau das ist der Reiz. In der ersten Adventswoche steht meist nur ein Tuch, eine Kerze und ein Stein da. Dann kommen Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen dazu, in dieser Reihenfolge, so wie es die Waldorfpädagogik für die vier Adventswochen beschreibt.
Am 6. Dezember gehört der Heilige Sankt Nikolaus auf den Tisch, oft begleitet von Knecht Ruprecht. Am 13. folgt Santa Lucia mit ihrer Kerzenkrone, in Schweden das größte Lichterfest des Jahres. Zum Heiligabend zieht die Krippe ein, bei mir als Heilige Familie mit Hirte. Dazu passen botanisch die Christrose, die tatsächlich im Dezember blüht, und die Ilex.

Was ist ein Adventsgärtlein?
Das Adventsgärtlein, auch Adventsspirale genannt, ist eine Spirale aus Tannengrün oder Moos, in deren Mitte eine große Kerze brennt. Jedes Kind trägt einen ausgehöhlten Apfel mit einer kleinen Kerze hinein, entzündet ihn an der Mitte und stellt ihn auf dem Rückweg an den Rand. Am Ende leuchtet die ganze Spirale. In Waldorfkindergärten findet das meist am ersten oder zweiten Adventssonntag statt, im großen Kreis und ohne Musik.
Zuhause lässt sich das Adventsgärtlein im Kleinen nachbauen. Eine Spirale aus Moos auf dem Jahreszeitentisch, in der Mitte ein Teelicht in einer Kerzenschale, drumherum vier Steine für die vier Wochen. Wer das Bild lieber als Motiv möchte, findet die Adventsspirale unter den Lichtbildern für die Magische Lampe. Der Gedanke trägt den ganzen Dezember, auch ohne große Feier.

Was gehört im Januar auf den Jahreszeitentisch?
Der Januar beginnt mit Glück und endet mit Stille. Zu Neujahr kommen die Glücksbringer auf den Tisch, bei mir der Schornsteinfeger, das Glücksschweinchen und der Glücksklee-Junge. Am 6. Januar folgen die Heiligen Drei Könige, danach wird die Krippe abgebaut.
Und dann wird es leer. Weißes Tuch, ein Eiskristall, kahle Zweige, mehr braucht es nicht. Genau diese Leere ist pädagogisch der interessanteste Moment im Jahr, weil sie den Kindern zeigt, dass draußen gerade nichts wächst. Wer trotzdem Bewegung möchte, stellt Schlittenmädchen und Schlittenjunge dazu oder den Ski Zwerg.

Was gehört im Februar auf den Jahreszeitentisch?
Lichtmess am 2. Februar ist die Wende. Der Tag ist gut anderthalb Stunden länger als zur Wintersonnenwende, und in der Waldorftradition markiert dieses Datum den Punkt, ab dem das Licht wieder zunimmt. Auf dem Tisch bedeutet das mehr Kerzen, und die ersten grünen Töne kommen zurück.
Das Schneeglöckchen ist die Leitfigur des Monats, botanisch völlig korrekt, denn es blüht in milden Lagen ab Ende Januar. Dazu der Schneeglöckchen-Junge und das Schneeglöckchen im Töpfchen. Eine Schüssel mit Krokuszwiebeln daneben, die über Wochen sichtbar treiben, macht den Umschwung greifbarer als jede Figur. Ende Februar kommt der Fasching, dann darf es kurz bunt werden.

Wie gestalte ich einen Jahreszeitentisch im Winter?
Ein Tisch, der wirkt, arbeitet mit fünf Schichten. Nicht jede muss von Anfang an da sein, aber die Reihenfolge hilft beim Aufbauen.
1. Der Untergrund
Ein weißes oder silbriges Tuch aus Wolle, Seide oder Baumwolle, gern in zwei Lagen für etwas Tiefe. Im Dezember darf Dunkelrot darunter liegen. Tücher führe ich selbst nicht, die gibt es im Waldorf-Fachhandel.
2. Die Figuren
Die 66 Winter-Blumenkinder aus meiner Werkstatt bilden das Personal des Tisches. Im Dezember dürfen es mehr sein, ab Januar zwei bis drei. Ein voller Januartisch nimmt der Jahreszeit ihre Aussage.
3. Das Bild im Hintergrund
Eine aufgestellte Karte gibt dem Tisch eine Rückwand und kostet wenig. Aus den 331 Winterpostkarten und 128 Weihnachtskarten lässt sich wöchentlich wechseln, aufgestellt in einem Postkartenhalter aus Holz. Die Adventskalenderkarten funktionieren als Kalender und als Tischbild gleichzeitig, eine Karte pro Tag.

4. Das Licht
Im Winter ist das Licht nicht Beiwerk, sondern das Thema. Am 21. Dezember geht die Sonne in Deutschland gegen 16:15 Uhr unter, der Tisch leuchtet also den halben Nachmittag. Eine Kerzenschale mit Engelchenkreis oder der Sternenkreis tragen ein Teelicht. Wer das Motiv wechseln möchte, nimmt die Magische Lampe mit einem der 44 Wintermotive, von der Krippe über Santa Lucia bis zu König Winter in der Eisgrotte.

5. Das Naturmaterial
Im Winter gibt es draußen weniger zu sammeln, und das ist Teil der Aussage. Tannenzweige, Zapfen, kahle Äste, Rinde. Ab Januar tut es eine Schale mit Wasser, die über Nacht auf den Balkon kommt und morgens eine Eisscheibe hat.
Alles für den Wintertisch auf einen Blick
Häufige Fragen zum Jahreszeitentisch im Winter
Wann stellt man den Jahreszeitentisch auf Winter um?
Meist am ersten Advent, weil dann ohnehin dekoriert wird. Wer den November noch als Herbst laufen lässt, kann auch die Woche davor umbauen und mit einem leeren weißen Tisch starten, auf den dann jede Adventswoche etwas dazukommt.
Wann kommt König Winter auf den Tisch?
In den meisten Waldorfkindergärten nach dem 6. Januar, wenn die Krippe abgeräumt ist. Er hat dann den Tisch für sich, bis Lichtmess das erste Grün bringt. Manche Familien stellen ihn schon im Dezember dazu, dann konkurriert er allerdings mit der Weihnachtsszene.
Wie lange bleibt die Weihnachtskrippe stehen?
Bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige. Die drei kommen am Ende ihres Weges an, damit ist die Geschichte erzählt. Danach wird abgebaut. In katholisch geprägten Gegenden bleibt die Krippe teilweise bis Lichtmess am 2. Februar stehen.
Was ist typisch für den Winter auf dem Jahreszeitentisch?
Weiß und Silber als Farben, Kristalle und kahle Zweige als Material, Kerzenlicht als Mittelpunkt und König Winter als Hauptfigur. Anders als in den anderen Jahreszeiten steht nicht das Wachsen im Vordergrund, sondern die Ruhe.
Was macht man, wenn gar kein Schnee liegt?
Das ist inzwischen der Normalfall in vielen Regionen, und es ändert wenig. Der Wintertisch bildet nicht das Wetter ab, sondern die Jahreszeit. Kahle Zweige, Frost am Fenster, frühe Dunkelheit und die Ruhe draußen gibt es auch ohne Schnee. Wer trotzdem Schnee möchte, nimmt ein Stück ungesponnene weiße Wolle als Unterlage.
Wie die anderen Jahreszeiten aussehen, steht im Überblick Der Jahreszeitentisch. Die Saison davor beschreibe ich unter Jahreszeitentisch Herbst.
Zuletzt aktualisiert am 21.08.2026 von Katja Unterberg