Jahreszeitentisch Sommer gestalten
Der Sommer-Jahreszeitentisch ist der einzige, der über drei Monate keinen Bruch hat. Juni bringt die Rosen und Wiesenblumen, Juli die Beeren und die Sonnenblume, August die Kräuter und die Einschulung. Farblich bleibt es durchgehend kräftig, Rot, Gelb und sattes Grün. Der meteorologische Sommer läuft vom 1. Juni bis zum 31. August, der astronomische beginnt erst zur Sonnenwende um den 21. Juni. Auf dem Tisch orientieren sich die meisten am Wetter und nicht am Kalender. Wer im Sommer wenig Zeit hat, lässt den Tisch stehen und tauscht nur, was die Kinder von draußen mitbringen.

Ich bin Katja Unterberg. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Wollfilz und nähe die Figuren, die auf dieser Seite zu sehen sind, selbst in meiner Werkstatt in Breckerfeld. Was hier steht, kommt von meinem eigenen Tisch zuhause und aus dem Austausch mit Kindergärten, die meine Blumenkinder einsetzen.
Farben, Material und Feste im Überblick
| Monat | Tuchfarben | Material | Feste |
|---|---|---|---|
| Juni | Sattgrün, Rot, Blau | Wiesenblumen, Gräser, Kirschen | Sonnenwende am 21., Johanni am 24. |
| Juli | Gelb, Orange, Grün | Beeren, Getreideähren, Steine vom Urlaub | Ferienbeginn |
| August | Gold, Rostrot, Dunkelgrün | Kräuter, Sonnenblumen, erste Früchte | Kräuterweihe am 15., Einschulung |
Was ist das Johannifest?
Johanni fällt auf den 24. Juni, drei Tage nach der Sommersonnenwende. In der Waldorfpädagogik ist es das Gegenstück zu Weihnachten, das Fest der größten äußeren Helligkeit. Gefeiert wird meist mit einem Feuer, über das die älteren Kinder springen, dazu Blütenkränze und Reigen. Viele Waldorfkindergärten beenden damit ihr Schuljahr.
Auf dem Tisch heißt das: Blütenkranz, Feuerfarben und Gelb. Passend dazu das Mittsommer-Püppchen mit Blütenkranz, der Mittsommer-Junge und das Sonnen-Mädchen. Botanisch korrekt ist das Johanniskraut, das genau um dieses Datum herum aufblüht und der Pflanze ihren Namen gab. Dasselbe gilt für die Johannisbeere, die um Johanni reif wird.

Was gehört im Juni auf den Jahreszeitentisch?
Der Juni ist der Monat der Wiese. Alles blüht gleichzeitig, und was Kinder mitbringen, ist meist ein gemischter Strauß. Auf dem Tisch spiegelt sich das in einer bunten Gruppe statt in einer Leitfigur. Margerite, Kornblume und Mohn ergeben zusammen das klassische Bild eines Getreidefeldrands.
Dazu kommen die Rosen, die in Deutschland meist ab Anfang Juni blühen. Ich habe die Rose, die Große Rose und die Heckenrose. Die ersten Früchte kommen mit Erdbeere und Kirsch-Junge dazu. Und wer Höhe auf dem Tisch braucht, nimmt Lupine oder Rittersporn.

Was gehört im Juli auf den Jahreszeitentisch?
Im Juli übernehmen die Beeren. Heidelbeeren reifen in deutschen Wäldern ab Anfang Juli, Himbeeren und Brombeeren folgen. Auf dem Tisch passen Heidelbeere, Himbeere und das Brombeer-Elfchen. Wer die Geschichte dazu erzählen möchte, nimmt Hänschen im Blaubeerwald, das Figuren-Set nach dem Bilderbuch von Elsa Beskow aus dem Jahr 1901.
Die Sonnenblume wird jetzt zur Hauptfigur und bleibt es bis September. Lavendel bringt Duft und Violett dazu, die Pusteblume gefolgt vom Löwenzahn zeigt Kindern denselben Vorgang in zwei Stufen. Im Urlaub gesammelte Steine, Muscheln und Federn gehören in diesem Monat genauso auf den Tisch.
Was gehört im August auf den Jahreszeitentisch?
Der August dreht die Richtung. Die Farben werden goldener, die ersten Blätter färben sich, und der Tisch bereitet den Herbst vor, ohne ihn schon zu zeigen. Sonnenhut und Ringelblume tragen jetzt die kräftigsten Gelbtöne, Heidekraut Erika markiert den Übergang.
Der zweite große Anlass im August ist die Einschulung. Dafür gibt es bei mir Schulkind, Schuljunge und Schulmädchen, jeweils mit Schultüte und Ranzen. Viele Familien stellen die Figur am ersten Schultag auf und lassen sie das ganze Jahr stehen, als Erinnerung an den Anfang.

Was ist ein Kräuterbuschen?
Am 15. August, zu Mariä Himmelfahrt, werden in katholischen Gegenden Kräuterbuschen gebunden und in der Kirche gesegnet. Die Kräuterweihe geht auf einen alten Brauch zurück: Der August gilt als der Monat, in dem Heilkräuter die stärkste Wirkung haben. Traditionell gehören Beifuß, Johanniskraut, Rainfarn, Ringelblume und Schafgarbe in den Buschen, gebunden in einer ungeraden Anzahl.
Für den Jahreszeitentisch lässt sich das direkt übersetzen. Ein kleiner Strauß echter Kräuter, kopfüber zum Trocknen aufgehängt, und dazu die passenden Figuren. Ich habe Beifuß, Rainfarn, Johanniskraut und Ringelblume als Blumenkinder, also vier der fünf klassischen Buschenkräuter. Die Kräuterfrau mit ihrem Weidenkorb ist die Figur, die das Ganze zusammenhält.

Wie gestalte ich einen Jahreszeitentisch im Sommer?
Ein Tisch, der wirkt, arbeitet mit fünf Schichten. Nicht jede muss von Anfang an da sein, aber die Reihenfolge hilft beim Aufbauen.
1. Der Untergrund
Sattes Grün als Basis, im August ein Goldton darunter. Der Sommer ist die einzige Jahreszeit, in der ein Tuch drei Monate liegen bleiben kann. Tücher führe ich selbst nicht, die gibt es im Waldorf-Fachhandel.
2. Die Figuren
Die 102 Sommer-Blumenkinder aus meiner Werkstatt bilden das Personal des Tisches, es ist meine größte Saisonkollektion. Im Sommer dürfen mehr Figuren stehen als sonst, weil draußen auch alles gleichzeitig blüht. Fünf bis acht sind hier kein Problem.
3. Das Bild im Hintergrund
Eine aufgestellte Karte gibt dem Tisch eine Rückwand und kostet wenig. Aus den 322 Sommerpostkarten lässt sich monatlich wechseln, aufgestellt in einem Postkartenhalter aus Holz. Wer es größer mag, hängt einen Kunstdruck dahinter.
4. Das Licht
Im Sommer ist Licht das einzige Element, das keine Rolle spielt. Am 21. Juni geht die Sonne in Deutschland erst gegen 21:30 Uhr unter, eine Kerze auf dem Tisch bemerkt niemand. Erst ab Mitte August lohnt es sich wieder. Dann passt die Magische Lampe mit einem der 55 Sommermotive oder eine Motivkerze.
5. Das Naturmaterial
Diese Schicht trägt im Sommer fast allein. Gräser, Wiesenblumen im Glas, Steine und Muscheln aus dem Urlaub, getrocknete Kräuter. Wiesenblumen halten zwei bis drei Tage, das ist Aufwand, aber es macht den Tisch lebendig.
Alles für den Sommertisch auf einen Blick
Häufige Fragen zum Jahreszeitentisch im Sommer
Wann ist der meteorologische Sommer?
Vom 1. Juni bis zum 31. August. Der astronomische Sommer beginnt dagegen erst zur Sonnenwende um den 21. Juni und endet zur Tagundnachtgleiche um den 22. September. Für den Jahreszeitentisch ist die meteorologische Einteilung praktischer, weil sie zu den Monaten passt.
Wann stellt man den Jahreszeitentisch auf Sommer um?
Meist Ende Mai oder zu Pfingsten. Ein guter Anhaltspunkt ist die erste Rose im Garten oder der erste Heuschnitt auf den Wiesen. Beides fällt in Deutschland typischerweise in die letzten Maitage.
Wie hält man den Sommertisch über die Ferien lebendig?
Gar nicht, und das ist in Ordnung. Wer drei Wochen weg ist, räumt vorher die verwelkten Blumen weg und lässt die Figuren stehen. Aus dem Urlaub kommen dann Steine, Muscheln und Federn mit, die den Tisch für den Rest des Sommers prägen.
Passen Gemüse-Figuren auf einen Jahreszeitentisch?
Ja, gerade im Sommer. Tomate, Radieschen und Erbse zeigen Kindern, dass auf dem Beet dasselbe passiert wie auf der Wiese. Für Familien mit Garten oder Hochbeet ist das oft der direktere Bezug als eine Zierblume.
Warum blühen manche Figuren im Frühling und im Sommer?
Weil manche Pflanzen das auch tun. Löwenzahn und Gänseblümchen blühen von April bis in den Herbst. Diese Figuren gibt es deshalb in beiden Kollektionen, und sie dürfen problemlos über den Saisonwechsel stehen bleiben.
Wie die anderen Jahreszeiten aussehen, steht im Überblick Der Jahreszeitentisch. Die Saison davor beschreibe ich unter Jahreszeitentisch Frühling.
Zuletzt aktualisiert am 24.08.2026 von Katja Unterberg